Berichte

Seit 20 Jahren! Unser Einsatz in Eritrea

Unser Hilfsprojekt in Eritrea ist das bislang am längsten existierende Projekt des Hammer Forum. Neben der von Dr. Karl Adolf Brandt geleiteten  „Burn Unit“ unterstützen wir seit 2004 die Geburtshilfe und Gynäkologie im Orotta Maternity Hospital in Eritreas Hauptstadt Asmara. Zwei Mal im Jahr reisen Teams nach Eritrea, um hier zu helfen. Bei unserem Herbsteinsatz unter der Leitung von Professor Dr. Helmut Kaulhausen stand dabei die Geburtshilfe im Fokus.

 

Doch auch dieser Einsatz im Orotta Hospital hat wieder einmal gezeigt, dass das Land und auch die Station nach wie vor unsere Unterstützung brauchen.Vom 24.10.-8.11. waren wir mit einem 13-köpfigen Team vor Ort. Mit dabei: 5 Frauenärzte, ein Anästhesist, zwei OP-Schwestern, zwei Hebammen, eine Kinderärztin und ein Techniker- sowie ich als Pressevertreterin.

Die meisten im Team waren schon mehrmals mit dabei, aber mit Gynäkologin Dr.  Lea Winter und OP Schwester Stefanie Meierhöfer kamen auch zwei „Greenhörner“ mit. Dieser Einsatz war allerdings auch für die „alten Hasen“ im Team etwas Besonderes, denn in einer feierlichen Zeremonie im eritreisch-deutschen Kulturzentrum in Asmara wurde am 31.10.2015 die 20-jährige Arbeit des Hammer Forum in Eritrea gewürdigt.

Es gratulierten unter anderem zahlreiche Ärzte, Schwestern und Hebammen aus dem Orotta Hospital, aber auch der deutsche Botschafter Dr. Andreas Zimmer, sowie der Vorsitzende der EU Delegation  Christian Manahl.

Einsatzleiter Professor Dr. Kaulhausen konnte in seiner Rede von vielen Verbesserungen und Errungenschaften berichten, die durch das Hammer Forum in den vergangen 20 Jahren erreicht wurden.  Am bedeutendsten ist dabei sicherlich, dass die Neugeborenensterblichkeit in Asmara in dieser Zeit entscheidend gesenkt werden konnte, und auch die Müttersterblichkeit im Orotta Hospital hat in den vergangenen sechs Jahren deutlich abgenommen.Nach wie vor sieht es das Hammer Forum in Eritrea als Hauptaufgabe an, nachhaltig zu arbeiten. Das heißt, auch während dieses Einsatzes stand neben der Geburtshilfe, und schwierigen Operationen, sowie der Nachsorge bei Säuglingen, vor allem die Fortbildung des einheimischen Personals im Vordergrund.

Sowohl in der Praxis, als auch in theoretischen Vorträgen vermittelten sämtliche Teammitglieder den einheimischen Krankenschwestern, Hebammen und Assistenzärzten ihr Wissen.

Während der theoretischen Lektionen stellten wir immer wieder fest, wie gut es bereits um das Knowhow der eritreischen Kollegen steht. Vor allem die Assistenzärzte warteten sehnsüchtig auf die „Lectures“  des Hammer Forum und bewiesen ein gutes theoretisches Fundament.

Im Gegensatz dazu gibt es in der Praxis nach wie vor zahlreiche Bereiche, in denen es mangelt. Zwar konnten auch in diesen zwei Wochen wieder zahlreiche Kinder gesund auf die Welt gebracht werden- und viele Mütter erfolgreich operiert werden. Trotzdem entstand immer wieder im Kreissaal der Eindruck, dass zwar viele Hebammen und Assistenzärzte im Raum sind, dass sich aber in entscheidenden Situationen niemand zuständig fühlt.

Während Kinderärztin Dr. Regina Bahr  vermittelte, wie wichtig es ist, dass Babys nach der Geburt nicht auskühlen, stellten wir fest, dass sobald Dr. Regina Bahr in der Mittagspause war, immer wieder Neugeborene viel zu dünn gekleidet einfach abgelegt wurden.  Es mangelt anscheinend immer noch am Verständnis dafür, dass man sich um die Babys sofort nach der Geburt kümmern muss. In Eritrea zählte lange Zeit nur das Überleben der Mutter, das Überleben des Babys war zweitrangig. Hier muss noch viel getan werden.

Auch im Operationssaal gibt es noch viel zu tun. In der Zeit, in der die deutschen Teams nicht vor Ort sind, finden im Orotta Hospital so gut wie keine Operationen statt. Technische Geräte, die kaputt gehen, kann hier niemand reparieren. Sie stehen oft monatelang in der Ecke. Selbst einfache Operationen, die die Ärzte vor Ort durchführen könnten, werden nur sehr selten durchgeführt- entweder weil Personal oder Medikamente im OP fehlten, oder weil einzelne Geräte nicht funktionierten.

Dafür wurden den Gynäkologen des Hammer Forum viele Patientinnen mit Krebserkrankungen vorgestellt, die bereits so weit fortgeschritten waren, dass auch durch eine Operation die Frauen nicht mehr gerettet werden konnten. Wenn hier das Verständnis für Vorsorgeuntersuchungen verbessert werden könnte- und Krebserkrankungen früher erkannt und behandelt werden könnten, könnte vielen Frauen das Leben gerettet werden.

Unser Fazit aus dem Jubiläumseinsatz - 20 Jahre Hammer Forum in Eritrea: Es gibt nach wie vor viel zu tun- und wir werden auf jeden Fall weiter daran arbeiten, dass sich die medizinische Infrastruktur im Land dauerhaft und nachhaltig verbessern kann!