Berichte

Einsatz im Brandverletztenzentrum Eritrea 23.04. - 08.05.2016

Das Brandverletztenteam ist aus Eritrea zurück. Dr. Jostkleigrewe berichtet.

ERITREA: HILFSEINSATZ IM BRANDVERLETZTENZENTRUM HALIBET HOSPITAL

Ein Bericht von Dr. Jostkleigrewe

Zum aktuellen Einsatz

In welchem Land waren Sie? 
Eritrea

In welchem Zeitraum waren Sie vor Ort? 
Vom 23.April bis zum 8.Mai 2016

Erzählen Sie etwas von Ihrer Tätigkeit während des Einsatzes:

Im Vorlauf unseres Einsatzes diesmal gab es einige Schwierigkeiten: Der Einsatz des Burn Team Dr. K. Brandt, geplant für den Herbst 2015 musste leider ausfallen, weil die lange vorher beantragten Visa nicht  rechtzeitig erteilt worden waren.

Mein ebenfalls im vergangenen Jahr noch geplanter Kurzeinsatz Ende Oktober kam nicht zustande wegen einer kurzfristigen Erkrankung.

An der Jubiläumsfeier zum 20-jährigen Einsatz des Hammer Forums in Eritrea nahmen deshalb vom „Burn Team“ nur unsere eritreischen Partner Dr. Desbele und „Head nurse“ Saba teil.

So schade wir, Dr. Brandt und ich als „Burn Team“ Leiter es fanden, nicht dabei zu sein, so sehr demonstriert es doch auch: die Brandverletzten Versorgung im Burn Center wird  von unseren eritreischen Partner und Freunden getragen!

Umso mehr freuten wir uns, dass unsere Visa diesmal nun schon 4 Wochen vor dem Einsatzzeitraum vorlagen .Mit reichlichem Zusatzgepäck medizinisch notwendige Hilfsmaterialien traf unser Team am 23.4. aus Leipzig und Düsseldorf kommend zum Zwischenstopp in Istanbul ein.

Durch ein dummes Missgeschick verpassten wir den Weiterflug nach Asmara in der Nacht knapp. Der nächste Flieger ging erst Tage später, so dass sich ein ungewünschter Aufenthalt in der  türkischen Metropole sich ergab.

In diesen Tagen hat uns die allgegenwärtige massive Polizei- und Militärpräsenz in dieser sonst so schönen Stadt sehr bedrückt.

Gottseidank war diese Zeit am 26.4. überwunden.

Nach nächtlicher Ankunft um 4.30 Uhr im einfachen Sunshine Hotel  in Asmara ging es gegen 8.30 am gleichen Tag mit der Arbeit los.

Nach freudiger Begrüßung( „Endlich seid ihr da!  Kome ha dirkum!“) konnten wir  beim ersten Rundgang sehen, dass die Station fast voll belegt war und die meisten Patienten mit frischen Verbrennungen schon operiert oder in guter Abheilung waren. Von diesen Patienten haben wir nur noch einige zusammen mit den eritreischen Kollegen in unserer Zeit operieren müssen.

Nach dem Rundgang haben wir in den nächsten Stunden bereits so viele herbeigeeilte  besonders  kleine Kinder mit korrekturbedürftigen Verbrennungsfolgen gesehen, dass ganz rasch für die ersten drei Op.-Tage schon ein volles Programm geplant werden konnte.

Da wir diesmal erstmals auch einen Anästhesisten, Dr. Hennes Dammé, im Team hatten, konnten wir auch in diesem Bereich Hilfe anbieten und Ghidey, der erfahrene eritreische Chefanästhesist hat es somit für den  ganzen Einsatzzeitraum ermöglicht an jedem Tag an zwei Op.-Tischen gleichzeitig  zu operieren zu können.

Das haben wir dann auch intensiv genutzt und zusammen mit unseren chirurgischen Partner Desbele und Fasil und den Op. Schwestern Tsion,  Froweini und Lidia viele Patienten operiert.

Zwischen und nach den Operationen haben wir jeden Tag weitere neue Patienten gesehen und eingeplant, so dass wir auch am letzten Samstag vor der Abreise noch ein volles Programm abgearbeitet haben.

Wir haben  so alle geplanten Patienten auch operieren können. Auch das Geschwisterpaar Naod ( 4 Jahre) und Esaw (5 Jahre), dass sich erst verspätet am vorletzten Tag einfand, haben wir noch eingeplant und operieren können.

Neben  vielen Kindern mit durch Verbrennungsnarben eingewachsenen Fingern  und Kontrakturen an vielen  anderen Gelenken, denen wir durch die Operationen die Möglichkeit zu normaler Beweglichkeit zurückgeben konnten, ist uns in besonderer Erinnerung  der kleine Salomon(, 2,5 Jahre), der erst vor 4 Monaten eine ausgedehnte Verbrennung erlitten hatte, die bis auf eine handflächengroße Wunde ohne besondere Behandlung abgeheilt war, aber das Hüftgelenk in starker Beugung  fixiert hatte.

Dass dieser kleine Junge nach  unseren zwei Eingriffen die Chance hat, nun weitgehend unbeeinträchtigt wieder durchs Leben gehen zu können, erfüllt uns mit großer Freude.

Mahamut, der als Kleinkind eine schwere Verbrennung erlitten hatte , die dazu führte , dass der linke Arm fest am Körper angewachsen war und somit die Schulter gar nicht zu bewegen  und die Hüfte immer gebeugt war, musste fast 40 Jahre warten, bis wir ihm in zwei großen Operationen den Arm und die  Hüfte wieder richtig beweglich machen konnten.

Insgesamt haben wir trotz der Verspätung mit 52 Operationen sogar noch einige mehr als im vergangenen Jahr durchführen können. Darüber hinaus haben wir noch eine ganze Anzahl weiterer Patienten gesehen, die  vielleicht bei den nächsten Einsätzen operiert werden können  und bei zahlreichen Verbandswechseln mitgeholfen.

Wir haben wieder einmal gesehen, dass die „Routine Arbeit“ auch ohne unsere Teams ordentlich weitergeht,

Op und Ward(Station) waren in gutem Zustand und alle Mitarbeiter engagiert bei der Sache.

Auch diesmal haben die häufigen Stromausfälle und teilweise auch der Wasserversorgung uns nicht viel beeinträchtigt.

Dennoch scheint uns das Ziel, die Burn Unit unabhängig von der Stromversorgung zu machen durch eine Solar Anlage unverändert sehr dringlich und wir, unser Team werben für Spenden dazu

Prof. Dr. Andreas Bräuer, als Physiker und Wissenschaftler, ist dabei die technischen Notwendigkeiten zu erfassen.

Für mich persönlich war dieser Einsatz das 10. Mal dass ich in Eritrea helfen durfte.

Aber sowohl für mich, als auch für das gesamte Team soll es nicht der letzte Einsatz gewesen sein!


Dr. Franz Jostkleigrewe

 

Teilnehmer des Hifseinsatzes April/Mai 2016:

Dr.  Franz Jostkleigrewe

Ehem. Chefarzt der Klinik Handchirurgie, Plastische Chirurgie , Zentrum für Schwerbrandverletzte der BG- Unfallklinik Duisburg –Buchholz

Prof. Dr. Karli Döring

Ehem. Chefarzt der Klinik für Mund/Kiefer/Gesichtschirurgie und Plastische Chirurgie Städt. Klinikum Chemnitz

Young Sook Youn,

Op. Schwester  BGU Duisburg

Dr. Hennes Dammé ,

Anästhesist, Ehem. Oberarzt der chirurgischen Intensivstation des AVK Krankenhauses Berlin

Als Gäste und tatkräftige Helfer waren wieder dabei:

Prof. Dr. Andreas Bräuer und Carmen Bräuer, die vor über 30 Jahren als Dozenten an der damaligen Universität von Asmara tätig waren( Physik/Psychologie)  drei Jahre IN Asmara gelebt haben und dem Land und den Menschen besonders verbunden geblieben sind

Wir danken allen, die für uns gesammelt haben und uns für unseren Einsatz mit Gebrauchsmaterialien ausgestattet haben, insbesondere  dem Geschäftsführer der BGU Duisburg , Herrn Wenzel für die großzügige Unterstützung.