Berichte

Einsatz in der DR Kongo 04. - 15.05.2015

Eigentlich hatte ich bei meinem Kongoeinsatz im November 2014 geplant, diesmal mit einem Mund-Kiefer-Gesichts-Chirurg und einem Anästhesisten nach Kikwit zu fliegen. Ich hatte gehofft, dass bis dahin zumindest die Stromleitungen und eine OP-Lampe repariert worden wären. Dem war aber nicht so. Der OP-Trakt hat weiterhin kein Wasser, es gibt keinen Strom, kein Elektrogerät funktioniert, alle OP-Lampen sind kaputt, der Abfluss für die Boden-Reinigung in dem zweiten OP-Saal ist seit letztem Jahr verstopft und stinkt deshalb bestialisch. Ich konnte also keinen „richtigen“ Einsatz planen und flog ohne Teamkollegen in den Kongo. Ich hatte vor, die Kinder "nur" zu untersuchen und keine Kinder zu operieren. Als ich aber am 5. Mai in der Kinderambulanz ankam, warteten schon über 50 der Kinder mit ihren Eltern auf mich, die ich in meinem letzten Einsatz, für eine Operation vorgesehen hatte. So hatte ich keine Wahl und beschloss, trotz schlechter Lichtverhältnisse im Operationssaal (es gab nur eine Batterielampe), zu operieren (der Pfeil auf dem Foto zeigt die Batterielampe).

 

Viele Kinder untersucht und operiert

Während des siebentätigen Aufenthaltes in Kikwit konnte ich 161 Kinder untersuchen, 8 Ultraschall- Untersuchungen durchführen und 76 Kinder operieren.

Am Samstagabend wurde ich zu einem Notfall nach einer Geburt gerufen. Ein Neugeborenes mit knapp  2,350g mit Nabelschnurbruch (Omphalocele) lag über eine Stunde ganz nackt auf dem Tisch und zitterte vor Kälte. Da die Omphalocele relativ groß war und der Säugling eine Operation nicht überstehen würde, ordnete ich ein  Therapie-schema für die nächsten 2-3 Wochen an. Danach sollte entschieden werden, ob eine Operation möglich ist.

Einem anderem Kind mit Klumpfüssen habe ich nach Ponseti eingegipst (s.Foto). Diese Therapie wird einige Wochen bis Monate in Anspruch nehmen. Der Gips wird mehrmals gewechselt und so die Füße nach und nach redressiert. 

Der siebenjährige David lag seit zwei Tagen mit krampfartigen Bauchschmerzen im Hospital. Zwei Tage lang quälte sich der Kleine, ohne überhaupt therapiert zu werden. Am Spätnachmittag kam die Mutter mit ihren schwer kranken Kind in unsere Kinderambulanz. Ich führte eine Ultraschalluntersuchung durch, ordnete Laboruntersuchungen und Infusion an und stellte die Indikation zur Operation. Am nächsten Morgen kam die Mutter zu uns, den Jungen hielte sie in ihren Armen, er war völlig ausgetrocknet mit geschlossenen eingefallenen Augen und stöhnte. Ich nahm das Kind in meine Obhut, nahm Blut für das Labor ab, legte eine Infusion und brachte das Kind zum OP-Trakt. Ich operierte das Kind und musste den gut 30cm langen schwarzen Dünndarm entfernen. Der Junge erholte sich schnell, und ich konnte ihn sogar am 6. post-operativen Tag entlassen (s. Foto unten).

     

Ein zweijähriger Junge leidet seit der Geburt an Verstopfung. Sein Bauch war stark aufgetrieben. Wegen des Verdachtes eines angeborenen Darm ohne Nervenfasern machte ich im November 2014 eine Biopsie durch den After. Die histologische Untersuchung des Präparates (von Dr. Lang, Chefarzt im Klinikum Herford) ergab, dass keine Ganglien vorhanden sind. So musste ich jetzt zur Darmentlastung erst einen Seiten-Darmausgang anlegen.

Ein fünf Monate alter Säugling war geimpft worden. Danach war eine flächenhafte, sich bis in die Muskulatur ausdehnende Hautnekrose entstanden. Das Bein war stark geschwollen, und unter Druck floss Eiter ab. Ich konnte einen Teil der Nekrose einschließlich des nekrotischen Fettgewebes entfernen und ordnete an, die restlichen Nekrosen in den nächsten Tagen zu entfernen. Zu einem späteren Zeitpunkt sollte eine Hauttransplantation durchgeführt werden. Die Eltern aber sagten, sie würden warten, bis ich wiederkomme.

 

Renovierung des OP-Traktes dringend notwendig

Seit die Belgier das Land verlassen haben (1960) wurde nichts zur Erhaltung einer guten Infrastruktur auch im OP-Bereich investiert. Die Fensterscheiben sind kaputt, das Holz der  Fensterrahmen ist inzwischen morsch, die Fußbodenfliesen sind gebrochen, eine Reinigung des OP-Saals ist nicht möglich und fließendes Wasser gibt es nicht. Die Sterilisationsgeräte sind ebenso außer Funktion. Die Instrumente mussten auf Kohlenfeuer sterilisiert werden. Das Krankenhaus ist in einem desolaten Zustand und es hat einen schlechten Ruf, so dass die Patienten, wenn sie die Wahl haben, nicht in das Krankenhaus kommen. Fast ausschließlich kommen Notfälle in das Hospital. In einigen Stationen mit 20 Betten liegen nur zwei bis drei Patienten. Nur die Geburtshilfe ist zur Hälfte belegt. Über 350 Angestellte hat die Klinik, aber im Durchschnitt liegen dort nicht mehr als 80 Patienten.
Ein Lehrer, der seinen Jungen zu uns brachte, sagte, die einzige funktionierende Abteilung im gesamten Hospital sei die des Hammer Forum.

     

Am Sonntag, den 10. Mai sind wir mit dem Motorrad zum Waisenhaus von S. Albertine, etwa zehn Kilometer entfernt, gefahren. Dorthin kommt man nur mit dem Motorrad. Es sind zur Zeit 33 Kinder dort. Darunter sind auch einige unserer „ Milchkinder“. Die Schaukel, die das HAMMER FORUM dem Waisenhaus spendete, ist sichtlich beliebt (siehe Foto).

In unserem „Milchkinderprogramm“ in der Kinderambulanz sind zur Zeit 12 Kinder.
Diesen unterernährten Jungen brachte sein Vater zu uns (siehe Foto). Es wurde sofort in unser Milchkinderprogramm aufgenommen. Auch die Mutter mit ihren vier Kindern wurden in unser Milchprogramm aufgenommen.

     

Die Mission von Herrn Bah-Traore, Projektleiter im Kongo endet am 21. Mai 2015. Von da aus fliegt er nach Burkina Faso, um das dortige Projekt zu übernehmen. Schwester Doris geht, wie geplant, Anfang Februar 2015 nach Kikwit/Kongo zurück.