Berichte

Einsatz Burn-Team 17.03.-02.04.2017

Der kleine Bereket ist mal gerade ein halbes Jahr alt. Sein Bruder trägt ihn auf dem Arm bei der abendlichen Feier in einem kleinen Dorf ganz im Westen Eritreas an der Grenze zu Äthiopien. Eine kleine Fackel soll Licht spenden, doch plötzlich hat der kleine Bereket Feuer gefangen. Sein rechtes Bein steht plötzlich in Flammen, bevor sie wieder erstickt werden. Eine medizinische Hilfe vor Ort gibt es nicht.

Wir wissen nicht wie es dem kleinen Jungen genau ergangen ist, irgendwie hat er die akute Phase  überlebt. Die Mutter ist so geschockt, dass sie lange wie gelähmt ist. Der Vater ist weit weg beim Militär. Es vergeht eine lange Zeit, bis die Mutter, die den kleinen ja noch stillen muss, wieder vernünftig handeln kann. Irgendwie sind die tiefen Wunden verheilt, aber das Beinchen und der Fuß sind in grotesker Weise vernarbt, so dass der kleine Bereket damit niemals das Laufen lernen würde. Endlich haben die Mutter und ihr Vater, der Großvater, der sie nun unterstützt, übrigens über das eritreische  Fernsehen erfahren, dass Verbrennungen in der Hauptstadt in einer Klinik behandelt werden können. Und so machten sie sich auf den Weg. Etwa 4 Wochen bevor unsere Gruppe kommt, sieht Dr. Desbele, der eritreische Leiter des Verbrennungszentrums, welches das Hammer Forum nun seit fast 10 Jahren in Asmara betreibt, das Kind. Mit den ausgeprägten Kontrakturen bestellt er das Kind zu uns ein.

1., 2. und 3. Berektes Bein vor und nach der Operation

Die kleine Sinit war noch keine 2 Jahre alt, als sie in einen heißen Topf mit Suppe stolperte und sich den ganzen Unterbauch tief verbrannte. Als wir kamen lag sie schon vier Wochen auf der Station. Das verbrannte abgestorbene Gewebe war bereits in mehreren Operationen von unseren  Kollegen vor Ort abgetragen und ausgedehnte Hauttransplantationen vorgenommen worden. Überwiegend waren diese Transplantate auch gut eingeheilt, aber es waren doch noch zahlreiche kleinerer Restdefekte vorhanden.  Die immer sehr ernst blickende kleine Sinit musste nochmals operiert werden.

Im ersten Schritt wurden wieder gemeinsam die Wunden gesäubert und eine Kunsthaut aufgelegt. Und nachdem nun die Voraussetzung für die Hauttransplantation gegeben war, konnte Dr. Desbele mit dem jungen Kollegen  Fasil und Prof. Döring die nötige Hauttransplantation vornehmen. Bei guter Einheilung der Resttransplantate ist nun absehbar, dass Sinit die Klinik bald wieder verlassen kann. Und weil sie das wohl auch verstanden hat, konnten wir ganz zum Schluss erstmals ein Lächeln auf ihrem Gesicht entdecken!

4. Sinit nach der Operation

Das sind nur zwei Beispiele von insgesamt 66 Kindern und einigen Erwachsenen, die wir im Rahmen des diesjährigen Einsatzes unserer Gruppe vom 17.03.-02.04.2017 operieren konnten. Darüber hinaus haben wir noch eine große Zahl weiterer Patienten gesehen. Sie wurden uns zur Klärung etwaiger operativer Korrekturmaßnahmen vorgestellt. Und dann gab es noch einen offensichtlich nie abreißenden Strom von Patienten, die in der gut funktionierenden Ambulanz regelmäßig verbunden wurden. Die  guten und hilfreichen Verbandsmaterialien werden vom Hammer Forum  jedes Jahr besorgt, denn diese  teuren Verbandsstoffe  kann die eritreische Regierung, die die Krankenhäuser betreibt, nicht zur Verfügung stellen. Die Zusammenarbeit mit Schwester Saba, die nun schon langjährig die Organisation der Station und die Versorgung der ambulanten Patienten mit Übersicht und Autorität leitete, ging Hand in Hand wie immer.

5. Prof. Dr. Döring untersucht eine Patientin

Unser Team:

Schwester Sigrid Westermann, die dieses Jahr erstmals unser Team verstärkte, hat sich sowohl um die Verbandsbehandlung auf der Station gekümmert als auch im Op gearbeitet. Sie hat lange Jahre als Intensivschwester auf der Verbrennungsintensivstation der BG Unfallklinik Duisburg-Buchholz gearbeitet und ist seit längerem als Anästhesiefachschwester tätig.

Schwester Youn Sook Youn ist nun schon das 8. Mal als souveräne Op-Schwester, die sich neben der Assistenz bei Operationen  auch um die Instandhaltung der Instrumente und Geräte im Op. kümmert, aktiv dabei. Sie konnte den örtlichen Schwestern Tsion und Lydia manche Tricks weitergeben.

Prof. Dr. Karli Döring , ehemals Chefarzt im städtischen Klinikum Chemnitz, hat sich als Plastischer und Mund-Kiefer sowie Gesichtschirurg neben schwierigen plastischen Operationen insbesondere um die Weiterbildung und Anleitung der chirurgischen Kollegen, die mit Eifer dabei waren, gekümmert.

Der Ausbildungsstand wird immer besser. Wir haben wieder viele Patienten gesehen, die von Dr. Desbele und seinen jungen ärztlichen Assistenten Fasil und Kessete, den drei einheimische Ärzten, die nun schon seit einigen Jahren auf der Abteilung arbeiten, erfolgreich operativ behandelt worden waren.

Carmen Bräuer als Psychologin  konnte mit viel Engagement den Kindern auf der Station durch Begleitung und gemeinsame Spiele die Angst und Langeweile vertreiben. Das Lächeln auf Sinits Gesicht war auch ihr Verdienst.

6. und 7. Psychologin Carmen bräuer betreut die Kinder

Dr. Andreas Bräuer, Physiker, war der Mann für alles Technische. Er hat z. B. erfolgreich ein defektes Narkosegerät wieder einsatzfähig gemacht. Auch wenn wir erfreulicherweise in diesem Jahr nur selten Stromausfall zu verkraften hatten, wollen wir unseren Einsatz für eine Solaranlage für das Burn- Center weiter voranbringen. Wir sind glücklich über jede Spende für unser Projekt: „Licht für Operationen in Eritrea“.

Ich persönlich habe mich gefreut über unseren so angenehmen und harmonischen Team-Einsatz in diesem armen, aber doch so wunderschönen Land. Auch bei meinem 11. Einsatz in Eritrea für das Hammer Forum konnte ich dazu beitragen, dass für einige der uns anvertrauten Kinder die Zukunft etwas besser zu werden verspricht.

Diese Freude verbindet uns alle im Team, so dass für uns alle gilt: der nächste Einsatz wird schon wieder geplant.

 

Dr.  Franz Jostkleigrewe

Chefarzt a. D.  Klinik Handchirurgie, Plastische Chirurgie und Schwerbrandverletzten Zentrum der BG Unfallklinik Duisburg -Buchholz

8. Dr. Jostkleigrewe bei der Visite

9. Das Team von links nach rechts: C. Bräuer, Dr. Jostkleigrewe, S. Westermann, S. Youn Sook Youn, A. Bräuer und Prof. Dr. Döring