Berichte

Einsatz im Jemen 03. - 17.01.2015

Wenn ihr wüsstet, wie dringend wir auf euch (Hammer Forum) warten!  .. ihr seid für uns wie „laylet El Qader`` .. eine besondere Nacht bei den Muslimen, auf die man das ganze Jahr wartet“.
Sagte uns ein Jemenit

 

Aus Sicherheitsgründen hatte ich kurzfristig den Septembereinsatz in den Jemen absagen müssen. Auch bei der Vorbereitung dieses Einsatzes  berichteten die Medien im Vorfeld wieder übertrieben und negativ über die Sicherheitslage im Jemen. Von Regierungsseite aus war vor einer Einreise in den Jemen gewarnt worden. Wir verliessen uns aber auf die Beurteilung von Dr. Ali, der absolut keine Gefahr für uns sah und sagte „wir sind nicht Ziel von Al-Qaida oder anderen Terroristen“ , und die Lage sei ganz ruhig.

Von unserem Mitarbeiter im Jemen, Herrn Dr. Ali, erfuhr ich, dass inzwischen ein neuer Direktor im Al-Thawra-Hospital eingesetzt wurde. Ein Arzt, den ich auch kenne und er erwartete uns.

Damit wir nach der Ankunft gleich los legen können, war eine Vorhut von zwei Technikern in den Jemen geflogen, um die Infrastruktur  in der Verbrennungsstation wie Wasser, Elektrizität usw. zu  kontrollieren und gegebenenfalls zu reparieren.

 

 

1: Die Solar Kollektoren zur Warmwasserbereitung schenkte die Fa. Aschoff GmbH Solar, Rosenau 13, 91580 Petersaurach

2: Niko bei der Arbeit     

Dieses Vorgehen  hat sich als weise (richtig) erwiesen. Als wir (19 Personen) am 4.1.15 im Hospital ankamen, war alles funktionsfähig und wir konnten gleich starten. Ich danke den Herren Gerd Take und Nikos Kolovos für ihre tolle geleistete Arbeit, die im Übrigen auch von den Jemeniten sehr gelobt wurde.

Bei diesem Einsatz haben die Jemeniten alle Kinder nach Fachdisziplinen registriert. Pro Tag sollten 200 Kinder untersucht werden. Für den ordentlichen Ablauf sorgten die Polizei und das Militär. Wir untersuchten in der kurzen Zeit 1.490 Kinder und operierten davon 148 Kinder. Wir machten mit dem Direktor und einigen einheimischen Kollegen Visite im gesamten Hospital. Viele komplizierte Fälle gab es dort. Einige davon haben wir nachoperiert.

Auch diesmal mussten wir am ersten Tag erst die OP-Säle reinigen und alles (Steri, Narkose Geräte, Monitore, Op-Tische und Verbrauchmaterial) für die Eingriffe vorbereiten.

Verschiedene kleine und große Operationen führten wir durch.

Dieses Kind (13 Jahre) konnte operiert und der Unterschenkel mit Nagel gestreckt und stabilisiert werden.

Abbildung 1: 13-jähriger Junge mit angeborener Glasknochenkrankheit läuft seit vielen Jahren auf den gebrochenen Unterschenkeln

Abbildung 2: Das  Röntgenbild dazu


 

Abbildung 3: Nach der Operation durch die Herren Prof. U. Holz und Dr.Wittner

Dieses 3-jährige Mädchen erlitt vor gut 8 Monaten Verbrennungen und wurde auf der Verbrennungsstation behandelt. Die Eltern ließen keine Physiotherapie machen, weil das kleine Mädchen Schmerzen hatte. Das Foto zeigt das Ergebnis ohne Physiotherapie-Behandlung. In Zwei operativen Sitzungen von insgesamt 6 ½ Stunden Op-Zeit führte ich auch eine  Hauttransplantationen durch. So konnte ich den Arm und die Hand in normale Funktionsstellung bringen.

 

 

Abbildung: 8 Monate nach der Verbrennung       Abbildung: Erst Ellenbogen operiert

Abbildung: Zweite Operation mit Hauttransplantation Abbildung: Arm in Gips fixiert

 

33 Operationen an den Lippen- und Gaumenspalten führte der MKG-Chirurg Herr Dr. Schildenhauer erfolgreich durch.

Für der Neurochirurgen war diesmal der Einsatz etwas unbefriedigend und frustrierend, weil er über 490 Kinder untersuchte und nur 10 davon eine Operation benötigten.

 

Zusammenfassung

 

Der Einsatz war absolut erfolgreich. Das Team arbeitete sehr harmonisch. Keiner von uns wurde krank. Wir fühlten uns dort sicher und hatten nicht das Gefühl, dass wir bedroht waren. Wir sind am letzten Tag mit dem Bus von Taiz nach Sanaa (ca. 265 Km entfernt) gefahren.

 

Wiederholt sagten uns dort die Menschen:

 

1.      Wenn ihr wüsstet, wie dringend wir auf euch (Hammer Forum) warten!  .. ihr seid für uns wie „ laylet El Qader „ .. eine besondere Nacht bei den Muslimen, auf die man das ganze Jahr wartet“.

 

2.      "Was ihr hier in kürzester Zeit leistet, wird man wahrscheinlich hierzulande kaum in einem ganzen Jahr schaffen."

                                                                                                                                    

3.      Wir sind von unserem Staat im Stich gelassen worden und ihr kommt von weit weg unentgeltlich trotz aller Strapazen, um uns zu helfen, wir sind euch unendlich dankbar. 

                                

4.      Ihr braucht keine Sorge um eure Sicherheit zu haben, wir beschützen euch mit unserem Leben.

                                                                                                                                                

5.      Ihr seid unsere letzte Hoffnung !

                                                                                                   

6.      Wenn ihr wüsstet, wie sehr wir euren Einsatz hier schätzen!

 

Die Hospitalsituation ist weiterhin katastrophal, weil es kein Geld gibt und so das Hospital seine Aufgaben nicht erfüllen kann. Die 14 chinesischen Ärzte im Hospital operieren selten, weil die Patienten nicht bezahlen können. Am letzten Tag wurden wir vom stellvertretenden Gouverneur und dem Hospitaldirektor offiziell verabschiedet. Beide betonten, wie wichtig unsere Arbeit für das Hospital und für die Menschen ist und bedankten sich und wünschen, dass wir wieder kommen.

Sie gaben uns als Anerkennung Zertifikate und ein Zertifikat auch für das HFO.