Berichte

Einsatz in Eritrea 29.10. - 13.11.2016

Abgesehen davon, daß ein Paß auf dem Postweg von Hamm nach Berlin zwei Wochen lang verschwunden war, so daß Dr. Björn Beurer am 29.10. nicht mitreisen konnte, verlief die Anreise des übrigen Teams problemlos. Nach einem Treffen im Flughafen von Istanbul ging der Flug dann gemeinsam über Taif - nahe Mekka - weiter nach Asmara. Unser Projektpartner in Eritrea, der Ärztliche Direktor des Orotta National Referral Hospitas, Dr. Habteab Mehari, begrüßte uns gegen 3.00 Uhr morgens dort am Gepäckband !

Nach kurzem Schlaf und spätem Frühstück im Hotel Sunshine suchten wir die Entbindungsabteilung des Orotta Hospitals auf, wo wir die Dienstärzte Dr. Martha und Dr. Okubit  antrafen, zwei der fünf jungen Ärzte, die von uns weitergebildet werden. Früher waren die älteren "consultants" sonntags kaum mal in der Frauenklinik anzutreffen.

Am Montag, dem 31.10., begann der eigentliche Einsatz sowohl in der Geburtshilfe als auch in der Ambulanz der Frauenklinik, wo der große Flur von zahlreichen Frauen überfüllt war, die offenbar schon vor  8.00 Uhr morgens dort auf uns warteten. In den nächsten Tagen sprach sich dann unsere Anwesenheit weiter herum, so daß wir abgesehen von den zahlreichen Untersuchungen auf der Station und im Ultraschallraum eine weitere ausgedehnte Sprechstunde für den folgenden Samstag einplanten.

Die Zusammenarbeit mit dem Leiter der Ambulanz, der vor einigen Jahren noch zu unseren "Zöglingen" gehörte, und den jungen  Assistenzärzten war reibungslos.

Andere Mitglieder des Teams begannen mit der Verteilung der mitgebrachten bzw. im Container dorthin transportierten Medikamente und Verbrauchsmaterialien.  Ein von einer Frauenärztin aus Bergisch Gladbach gespendetes , fast neuwertiges Ultraschallgerät mit drei funktionierenden Sonden war ab sofort von besonderem Wert in der Entbindungsabteilung.

Prof. Daniel Kamil, z.Zt. in Doha / Qatar berufstätig, plante nach einer ausführlichen Visite mit Dr. Lea Winter / Klinikum Gummersbach  und dem eritreischen Stationsarzt Dr. Medhanie auf der Pränatalstation für Risikoschwangere anschließend den Ablauf der täglichen geburtshilflichen Vorlesungen.

Schwieriger war die Planung und Durchführung der Hebammenfortbildung durch unsere Lehrhebamme Sandy Jacob aus Chemnitz. Die Oberschwester des Orotta Hospitals versichert glaubhaft, daß sie die Emails des Projektleiters nicht erhalten hatte ; diese neue Phänomen trat auch bei anderer Korrespondenz auf, wobei unklar ist, ob diese Emails abgefangen wurden oder ob es sich nur um  technische Probleme handelt .

Auf den beiden Wochenbettstationen sahen wir als "headnurse" die Hebamme Alganesh wieder, die einen Bachelor-Kurs am Asmara College of Health Sciences abgeschlossen hatte und erfreulicherweise ins Orotta Hospital zurückgekehrt ist.

Im Kreißsaal vermißten wir allerdings den bisherigen ltd. Entbindungspfleger Amanuel sehr, der von einer Reise nach Kairo nicht zurückgekehrt ist : "lost in Egypt" . Die Oberhebamme Fikadu hat seine Aufgaben jedoch engagiert übernommen. - Leider vermittelten  einige recht junge Hebammen uns im Kreißsaal den Eindruck, daß sie dachten, unsere drei Hebammen  im Team würden ihren Job dort übernehmen, nicht nur sie fortbilden.

Es sollte erwähnt werden, daß auch die Zusammenarbeit mit den Schwestern Azieb ( Leitung ) und Aster in der Ambulanz sowie mit den Operationsschwestern unter der Leitung von Sr. Akberet bestens ablief.

Im Gegensatz dazu begegnete uns der Chefarzt der Frauenklink Dr. Habteselassie eher unfreundlich ; möglicherweise stört ihn, daß wir "German doctors" sowohl bei den eritreischen Patientinnen als auch bei den jungen Ärzten größeres Vertrauen genießen als er selbst und einige seiner Oberärzte.

Am Sonntag fuhren wir zum Krankenhaus in Ghinda, wo der von unserem Team vor einigen Jahren weitergebildete Dr. Dawit Estifanos inzwischen ärztlicher Direktor ist. Diesmal konnten wir ihm ein zweites Ultraschallgerät übergeben. Die von ihm geleitete Abteilung für Geburtshilfe und Gynäkologie des Ghinda Hospitals genießt einen so guten Ruf, daß Patientinnen selbst aus dem zwei Stunden entfernten Massawa dorthin zur Behandlung kommen, ein Beleg für die Nachhaltigkeit unseres  Wirkens in Eritrea.

Während der ersten Woche des Einsatzes hatte der Teamleiter in Anbetracht der nur verzögert umgesetzten neuen Weiterbildungsordnung ( sog. Curriculum ) etliche Besprechungen mit hochrangigen Persönlichkeiten aus dem Erziehungsministerium : Dekan Dr. Haile Mehtsun ; Prof. Tadesse Mehari, PhD, Leiter der National Commission of Higher Education ; sowie Minister Semere Russom. Diese Gespräche waren  von gegenseitiger Wertschätzung geprägt.  Ebenfalls gemeinsam mit Dr. Ulf Bauer, Projektleiter von Human Plus "For Eritrea",  fand eine Besprechung mit dem deutschen Botschafter Dr. Andreas Zimmer statt, der über den aktuellen Stand seit dem Besuch des BMZ-Ministers Dr. Müller berichtete.  Dr. Zimmer hofft, daß auch unser Außenminister Steinmeier zu Konsultationen nach Asmara reisen wird ( bevor er wohl Bundespräsident wird ).

Alle unsere operativen Eingriffe einschließlich der Lehroperationen verliefen auch postoperativ ohne Komplikationen. Dr. Edgar Harms als Hauptoperateur, der Teamleiter  und ab der zweiten Woche auch Dr. Björn Beurer konnten die fünf  jungen Assistenzärzte ( m/w )  so erfolgreich in der operativen Tätigkeit weiterbilden. Die Kinder auch der älteren gynäkologischen Patientinnen bedankten sich teilweise überschwenglich bei uns ; einige hatten offenbar nicht mit dem Überleben ihrer Mutter gerechnet !

Erwähnenswert ist auch die  bedside-Fortbildung  des lokalen Anästhesiepersonals durch den unermüdlichen "Dr. Tim" Däunert aus dem Sana Klinikum Berlin-Lichtenberg . Er war nun schon zum vierten Mal dabei. Ebenfalls aus Berlin waren Wenke Markowski und Dr. Björn Beurer ( beide aus dem Waldkrankenhaus Berlin-Spandau ) sowie die Hebamme Hana Ludwig im November-Team mit im Einsatz. Kerstin Ruitz, Oberhebamme im Klinikum Chemnitz, kümmerte sich vor allem um die Situation im Kreißsaal mit dessen sieben Betten und zahlreichen Schwangeren während der Eröffnungsperiode der Geburt ; neue und verstellbare Betten wären vonnöten, darum wird  sich Kerstin  in Chemnitz noch kümmern.

Josef Breuer, in Asmara als "Mister Technician" wohlbekannt, hatte ebenfalls vollauf zu tun ; nach dem Entleeren des rechtzeitig eingetroffenen Containers kamen täglich Hinweise auf defekte Geräte, Lampen oder der Wunsch nach Verschönerungsaktionen in der Entbindungsabteilung auf den Teamleiter und auf Jupp dazu.

Zwei weitere Persönlichkeiten sollen nicht unerwähnt bleiben : Henriette Freiin von Seckendorff, die unseren Einsatz als Gast begleitete, aber bald vor allem unser Tun vor Ort photographisch festhielt, sowie Prof Hartmut Lobeck / Potsdam, der 2016 als einziger Pathologe in Eritrea tätig ist und zum Erstaunen des Teamleiters dort sogar eine ehrenamtliche tägliche "Privatsprechstunde" zwecks Durchführung von Zytopunktionen unterhielt ( was in Deutschland für einen Pathologen wohl undenkbar ist ).

Als Dank des Ärztlichen Direktors  Dr. Habteab erhielten wir von ihm eine Einladung zu einem überraschend professionellen Konzert einiger Musikschulen aus Asmara und Umgebung im früheren Opernhaus , jetzt Cinema Asmara. Wir waren begeisterte Zuhörer im vollen alten Opernhaus !

Auch auf diesem Weg bedankt sich der Teamleiter bei allen Einsatzteilnehmer/Innen für ihr tolles Engagement während dieser beiden intensiven Einsatzwochen in Eritrea.

 

H. Kaulhausen                                        22.11.2016